Mayahaus

Homepage von Claudia und Roland

Mayahaus

- ein Haus für eine Indianerfamilie entsteht in Guatemala

Diese Seite ist für alle Freunde und Bekannte gedacht, die sich am Bau des Hauses für Juan und Nicolasa beteiligt haben. Wir wollen hier einen kleinen Überblick über den Fortschritt des Bauvorhabens geben.

Für alle "Neulinge" nachfolgend einige Infos, wie es zu diesem Projekt kam. << zurück zur Kurzübersicht

Familie Staiber hat seit vielen Jahren ein Grundstück in Guatemala am Atitlan-See. Dort ist Juan seit langem ganzjährig als Gärtner beschäftigt. Eine Dauerbeschäftigung ist in diesem Land keine Selbstverständlichkeit, wenn man sich vor Augen führt, dass die meisten Indigenas - so lautet die landesübliche Bezeichnung für die Ureinwohner - keiner geregelten Arbeit nachgehen können. Es gibt kaum Arbeitsplätze, da keine Industrie vorhanden ist und die Landwirtschaft nicht genügend Erträge für eine wachsende Bevölkerung abwirft. Auch besitzen viele Indigenas kein oder nicht genügend Land. Oftmals leben die Menschen dort von der Hand in den Mund und wissen manchmal nicht, wie sie die Lebensmittel oder das Brennmaterial für den nächsten Tag erwerben sollen. Lebensmittel sind für unsere Verhältnisse zwar recht preiswert, aber das Lohnniveau in Guatemala ist sehr niedrig. Juan hat einen 10-jährigen Sohn mit dem Namen Moises. Seine Frau starb kurz nach der Geburt des Sohnes.

Nicolasa ist ebenfalls bei Familie Staiber beschäftigt. Auch sie hat einen 10-jährigen Sohn mit Namen Anastasio. Sie arbeitet als Hausmädchen 2 bis 3 Vormittage in der Woche. Dies ist eine, oft die einzige, Möglichkeit für Frauen in Guatemala um zum Einkommen einer Familie beizutragen.

Wenn sie Zeit und Gelegenheit haben, stellen die Frauen in diesem Land mittels einfachem Hüftwebstuhl wunderschöne Webarbeiten her, die sie auf den Wochenmärkten verkaufen. Der Name des Webstuhls täuscht, denn er besteht nur aus einem Gürtel um die Hüften und einigen Stäben. Das Ganze wird an einem Ende irgendwo befestigt und die Frauen knien dabei stundenlang auf dem Boden. Leider sind dann die Erlöse für diese kunstvollen Handarbeiten sehr gering.

Letztes Jahr nun hat Amor seine Pfeile auf die beiden abgeschossen und sie haben geheiratet. Nicolasa hatte von ihren langjährigen Ersparnissen auf dem Grundstück ihrer Mutter ein kleines Einzimmerhaus (3x3m) für sich und ihren Sohn errichtet. Dieses Haus wurde ihr jedoch von ihren Brüdern streitig gemacht, da sie keine Besitzurkunde für dieses Grundstück vorweisen konnte. Somit stand sie wieder ohne ausreichende Bleibe da.

Nach der Heirat ist sie mit ihrem Sohn zu Juan gezogen, der zusammen mit seinem Sohn, seiner Mutter, seiner Schwester und seinem Bruder wohnt. Nun leben Juan, Nicolasa und die Kinder in einer Adobehütte von ca. 2,5m x 3m. Der gesamte Unterkunftsbereich von Juans Familie ist ca. 4m x 9m klein! Darauf sind drei Adobehütten und ein Abort errichtet. Alles ist mit altem Wellblech überdacht, dadurch sehr dunkel und es herrscht eine bedrückende Enge. Der gesamte Fußbodenbereich besteht aus gestampftem Lehm. Wir haben uns nicht getraut diese Unterkunft zu fototgrafieren.

Einen kleinen Eindruck von diesen Verhältnissen kann man nur durch Bilder aus dem Dorf gewinnen. Da es im Wohnbereich von Juans Familie nur Platz für eine Kochstelle und einen winzigen Waschplatz im Freien gibt, muss in Schichten gekocht und gewaschen werden. Dies ist natürlich mit vielen Schwierigkeiten und zwischenmenschlichen Spannungen verbunden. Dass dann die Kinder nicht gerade um 12 Uhr ihr Mittagessen bekommen können, ergibt sich zwangsweise, so dass Hunger kein seltener Gast ist. Die allgegenwärtige Enge gestattet es Nicolasa auch nicht, zu weben. Somit kann sie leider nichts zusätzlich zum Unterhalt beitragen.

Juan und Nicolasa haben sich in all den Jahren bei Familie Staiber vorbildlich verhalten. Sie sind absolut zuverlässig, anständig und ehrlich und gehen mit den ihnen anvertrauten Dingen sehr sorgsam um. Auch aus diesem Grund wollen wir die beiden bei der Lösung ihres Wohnungsproblems unterstützen. Im übrigen ist es für sie völlig unmöglich, aus eigener Kraft jemals ihre Situation grundlegend zu verändern... zum Beispiel durch den Bau eines Häuschens.

Nun hat Nicolasa von ihrem verstorbenen Vater ein ca. 100m² großes Grundstück am oberen Ende des Dorfes Santa Cruz geerbt. Hierfür kann sie zum Glück eine Besitzurkunde vorweisen. Dort sollen Juan und Nicolasa mit unser aller Hilfe ein Häuschen errichten, das die Grundlage für ein besseres Leben der Familie bieten kann. Es würde beispielsweise Nicolasa neben der Erleichterung ihrer häuslichen Arbeiten erlauben, wieder zu weben und somit ein Zusatzeinkommen zu erzielen.

Dieses Grundstück liegt, wie das gesamte Dorf Santa Cruz, auf 1.700 m Höhe, an einem sehr steilen Hang. Als erstes musste deshalb eine Stützmauer errichtet werden, um durch Planieren des Hanges eine Ebene für den Hausbau zu schaffen. Dieses relativ stabile Mäuerchen aus Blockes (16 cm Bimshohlblocksteinen) mit Stahlbewehrung ist im Februar 2009 errichtet worden. Sie wurde durch Spenden des Ehepaars Staiber und aus deren Freundeskreis finanziert.

Bei unserem Besuch in Guatemala im März 2009 haben wir mit Juans Familie und Familie Staiber erörtert, wie man die Arbeiten fortsetzen könnte. Dabei mussten wir einsehen, dass der Bau einer Adobehütte in diesem Jahr nicht mehr möglich ist, da ab Ende März keine Adobeziegel mehr hergestellt werden. In Guatemala beginnt dann bald die Regenzeit und die Ziegel werden nicht mehr trocken. Aus diesem Grund haben wir einen Plan für ein landesübliches Zweizimmerhäuschen von 8 x 3,5m - das Mayahaus - aus Bimshohlblocksteinen gezeichnet und die dafür notwendigen Materialien und dazugehörigen Aufwendungen zusammengestellt. Es kam eine Summe, inklusive Arbeitslöhnen und Minimalausstattung, von knapp 5.000 € heraus.

Für ein Adobehaus hätte man bei einfacherer und nicht so dauerhafter Ausführung mit etwa der Hälfte dieser Summe rechnen müssen. Wir sind aber zu der Überzeugung gelangt, dass ein Steinhaus eine bessere und langfristigere Investition darstellt, da die Lebensdauer und Qualität der Adobehütten nicht die der Steinhäuser erreicht. Auch sind letztere erdbebensicher, während die Adobehäuser bei den heftigeren Beben in sich zusammenfallen und die Bewohner oftmals am Staub ersticken. Das ganze Bauvorhaben soll natürlich im landesüblichen Rahmen bleiben, der nicht mit europäischer Bauweise zu vergleichen ist. Ein kleinerer Teil der Baukosten ist durch eingegangene Spenden schon gedeckt, es fehlen aber noch größere Beträge.

Mit dem Bau dieses Hauses werden nicht nur Juan und Nicolasa unterstützt. Es haben auch drei Bauarbeiter für 2-3 Monate Arbeit. Ebenso können Schreiner (Türen, Fenster, Tisch) und Elektriker etwas verdienen.

Bilder vom Hausbau

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